Grundeinkommen als Tabu

Eine ganze Seite widmet die NZZ vom 12. Mai der Initiative für ein bedingungsloses Grundeinkommen, obwohl es sich dabei, wie Autor Marcel Amrein wiederholt betont, um „offensichtlichen Unsinn“ handelt. Solch intensives Anrennen gegen etwas, das gar nicht in Betracht kommt, ist typisch für den Umgang des Menschen mit Tabus. „Vollpension im Hotel Helvetia“ ist kein Beitrag zur Diskussion, sondern ein beherztes Zeichen zu ihrer Verhinderung. Das Tabu besteht darin, den Sinn des Lebens in etwas anderem als Erwerbsarbeit und Konsum zu suchen. Das ist subversiv. Aber es trägt auch der Tatsache Rechnung, dass es für immer mehr Menschen keine Erwerbsarbeit mehr gibt. Die Uhren ticken schnell. Die Dinge liegen heute anders als im Zug schrittweiser Mechanisierung der industriellen Produktion. Die Illustration des Beitrags mit dem Fabrikbrand von Uster im Jahr 1832 treibt dessen Irrationalität auf die Spitze.

Denn vielleicht geht es heute tatsächlich darum, etwas Neues zu wagen. Die Erosion des Arbeitsmarktes ist nicht das einzige aktuelle Problem, das uns zwingt, ohne Erfahrungsbasis nach Lösungen zu suchen. Da stösst der Konservativismus an seine Grenzen.

 

 

Erschienen in: NZZ, 20. Mai 2016 S.9

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