Ich hab kein Wort verloren, Lesungen im Hebst 2008

ICH HAB KEIN WORT VERLOREN
LESUNGEN IM HERBST 2008 in Bern, Berlin, Zürich und Wien

Meine Lesungen aus Ich hab kein Wort verloren sind literarisch musikalische Klein-Events im Familienduo. Kein geringerer als mein Sohn Wizzy setzt die musikalischen Akzente zwischen den Gedichten. Hier eine Kostprobe:


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Pressetext

Jürg von Ins | Ich hab kein Wort verloren
Gedichte | Wolfbach Verlag 2008, Zürich

Dann zieht er weiter

Gedichte mit Reimen – kann man das heute noch? Ist das nicht von vorgestern? Der Schweizer Lyriker und Ethnologe Jürg von Ins zeigt uns virtuos: Man kann. Und seine Gedichte strotzen vor feinsinniger Aktualität. Beobachtungen des Alltags dampft er ein zu Lichtbildern des Menschseins. Die inhaltliche Kompression erhöht den Druck, die sprachliche Metrik macht das Bild scharf.

Seine Gedichte erzählen Geschichten, was nichts neues ist, aber etwas Gültiges, immer noch und mehr denn je. Nicht zuletzt als Ethnologe, der sich 20 Jahre mit afrikanischen Heilritualen befasst hat, sagt er: „Ich will für immer aufhören mit dem Sozio-Yoga. Aber dann liegt das Gedicht vor mir und ich ziehe weiter durch verkarstetes Ödland Richtung Markt.“ Mit anderen Worten: Er kann nicht anders als schreiben.

Das tut er Zeit seines Lebens. Als Publizist in Sachen westafrikanische Kultur, als Privatdozent an der Uni Bern, als Autor/Performer von diversen Bühnenarbeiten zwischen Sprache, Musik und Schauspiel – und als Lyriker. Jürg von Ins, 1953 geboren, bringt es auf den Punkt: “ Ich habe mich immer dafür interessiert, wie Sprache Wirklichkeit erschafft. Und ich habe es herausgefunden.“

Man glaubt es ihm gerne. Seine Gedichte sind von charmanter Fabulierlust, von sorgloser Ehrlichkeit, von elegantem Humor. Seine Sprache verrät hin und wieder, dass das Göttliche jeden Moment auf einer Bananenschale ausrutschen kann. Dann zieht er weiter. Zum nächsten Gedicht.

David Signer

Leseproben aus Jürg von Ins: Ich hab kein Wort verloren

Kreuzfahrt

Es sonnt sich Lady Flabergast
im Liegestuhl beim zweiten Mast
und kann den Bug nicht sehn;
nicht ihren Mann mit spitzem Bart
noch dieses Fräulein Eberhart,
ach, und wie nah sie stehn.

Die Haut verwelkt im Sonnenlicht,
bald löst sich schon die zweite Schicht,
die Segel hängen schlaff.
Mobilfunktelefone klirrn.
Delfine springen, Möwen schwirrn.
Da – Fräulein Eberhart ist paff –
naht Einer aus ihrem Kaff.

„Eh! Grüess ech wou, Frou Eberhart!“
Die Dame ist zu Stein erstarrt:
„Das kann doch wohl nicht sein!
Mein lieber Hausarzt Wowereit!“
Den Flabergast hats nicht gefreut.
Er legt die Ruder ein.

Musik liegt ringsum in der Luft.
Ein Lächeln noch, ein scheuer Duft.
Herr Flabergast muss gehn.
Schon regt von ferne sich ein Wind.
Frau Eberhart wünscht sich ein Kind
und sieh: Die Segel stehn!

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Vorwort zum neuen Gedichtband von Jürg von Ins

Jürg von Ins
Ich hab kein Wort verloren
Gedichte
184 Seiten, gebunden
Wolfbach-Verlag, Zürich 2008
ISBN 3-952 3057-6-6

Vorwort von David Signer:

Reime sind Keime

Wer schreibt heute noch Gedichte? Der Reim ist ein bisschen aus der Mode gekommen, scheint es. Dabei gibt es, in seiner Mischung aus Notwendigkeit und Zufall, kaum einen besseren Verbal-Aufmischer. Reim? Schleim, Heim, Seim, Leim – und alles beim Oheim daheim! Reime sind Keime; Erreger, in aller Vieldeutigkeit. Kein Wunder, wird beim Singen immer noch gereimt. Das Pestizid ist noch nicht erfunden, das den Reim vertilgen könnte.

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