´Papa Tabu´ auf Französisch erschienen Vernissage am 8. April 2015 in Dakar

Jürg von Ins
Papa Tabou. Guérison en Afrique d’un souffre-douleur
Traduit de l’allemand par Ndongo SADJI
Paris: L’Harmattan, 2015
ISBN 978-2-343-05399-8
http://www.librairieharmattan.com

Klapptext
Jürg von Ins, né en 1953, a fait des études d’ethnologie et
de philosophie. Il est Privat-docent à l’Université de Berne et
Chargé de cours à l’Université de Zurich. De 1979 à 1998, il
a dirigé des projets de recherche portant sur des rituels de
guérison au Ghana et au Sénégal. Ses résultats de recherche
ont été publiés en 2001 sous le titre « Le rythme du rituel » aux
Éditions Reimer à Berlin.

Papa tabou. Guérison en Afrique d’un souffre-douleur reprend
le contenu de cette étude sous une forme romancée et le
rend accessible à un public plus large. L’auteur présente avec
une compétence ethnologique avérée et un style littéraire
brillant ce monde étranger des traditions africaines en matière
de guérison. Mais il invite, avant tout, le lecteur à découvrir,
avec Ernesto de Anesta, ce qui lui appartient de fait dans ce
monde dit étranger.

« On ne peut comprendre un rituel
que quand on souffe du problème qu’il résout »
Jürg von Ins

Traduit du prospectus du Wolfbach Verlag, Zürich:
Papa Tabou_Prospectus du Wolfbach Verlag

Vernissage 1 Vernissage 2

Vernissage 4

Weiterlesen

Buchprojekt: Religiöse Erlebnisse und rituelle Welten. Update zur Wissenschaft der Religion

Jürg von Ins

1.5.2014 – 19.12.2014
Work in progress

So reisst die Spur der Fledermaus...

„So reisst die Spur der Fledermaus durchs Porzellan des Abends“, Collage, 2014

((…))

Im Raum religiöser Erlebnisse sind Gruppeneffekte selten (man vergleiche aber die grossen Ausnahmen Apg.2 und Apg.9,7b). Zunächst ist das religiöse Erlebnis nicht notwendigerweise einsam, aber sprachlos und allein. Deshalb ist der religiöse Mensch ganz grundsätzlich kein soziales Wesen. Und da der Mensch das religiöse Wesen ist, bleibt ihm die Sozietät immer problematisch. Sie treibt ihn von seiner Mitte fort. Wenn er Zuhörer braucht, heisst das noch lange nicht, dass er Gesellschaft sucht. Und wenn er ins Gespräch tritt, sucht er das Alleinsein des Andern. Er ist seinem Wesen gemäss allein, wie man allein geboren wird und stirbt. So eben erwacht man auch allein zum Leben.

Wer religiös erlebt, leitet die Zukunft nicht mehr von der Vergangenheit ab, sondern bewundert und befürchtet, dass sie neu ist; zu neu und zu reich, um organisiert zu werden. Und dass sie uns zu jenem ‚freien Tier‘ macht, das seinen Untergang, sein lebensveränderndes Erlebnis schon hinter sich hat – vor sich nur die Weite des Himmels, und hinter sich die geplatzte Box.

Das religiöse Erlebnis, wie ich es im Bund mit Schleiermacher auf den Punkt bringen darf, ist der Griff nach dem vollen Leben. Oh, er hätte den Ausdruck geliebt.

Mein Motiv ist das praktische Interesse an der Frage, wie sich der Zugang zum Leben entrümpeln lässt. Ich bin der Frage lange Jahre mit Händen und Füssen nachgegangen – und jetzt noch mit dem Kopf.

Rilke (8. Duineser Elegie) malt das religiöse Erlebnis als Kontrast zum Hintergrund unserer säkularen, ans Passé simple gefesselten tristesse. Er malt den Erlebenden und dessen Zuschauer, das religiöse Erlebnis und dessen Löschung zugleich:

„Und wie bestürzt ist eins, das fliegen muss
und stammt aus einem Schoss. Wie vor sich selbst
erschreckt, durchzuckts die Luft, wie wenn ein Sprung
durch eine Tasse geht. So reißt die Spur
der Fledermaus durchs Porzellan des Abends.

Und wir: Zuschauer, immer, überall,
dem allen zugewandt und nie hinaus!
Uns überfüllts. Wir ordnens. Es zerfällt.
Wir ordnens wieder und zerfallen selbst.

Wer hat uns also umgedreht, dass wir,
was wir auch tun, in jener Haltung sind
von einem, welcher fortgeht? Wie er auf
dem letzten Hügel, der ihm ganz sein Tal
noch einmal zeigt, sich wendet, anhält, weilt -,
so leben wir und nehmen immer Abschied.“

Man hat nicht gezögert, diese Störung als ‚historisches Bewusstsein‘ zu adeln.

Das religiöse Erleben kann mit Veränderungen der sinnlichen Wahrnehmung einhergehen. Aber die sichtbaren, hörbaren, fühlbaren und also beschreibbaren Dimensionen bilden schon die erste symbolische Überformung, die das Erlebnis kognitiv fassbar macht. So erst bringt es Unerkanntes und Erkanntes zusammen, das Eigentliche und seine Verpackung. So kultiviert es die Grenze der Erkenntnis, wobei für Zuschauer die Verpackung immer im Vordergrund steht. Naheliegend, dass dabei Poesie – also das Genre jener Texte, die man immer nur halb versteht – eine Schlüsselrolle spielt. Das religiöse Erlebnis aber als das Eigentliche ist transzendent.Und was Geschichte macht ist die Verpackung.

Das ist die Begründung von Religion: dass die Erlebnisschnecke ihre Fühler in die Transzendenz ausstrecken und dadurch das Häuschen zur Detonation bringen kann.

Apostelgeschichte 9: Saulus reitet gegen Damaskus, „Drohung und Mord“ gegen die Christen „schnaubend“. Plötzlich geht alles so rasend schnell, dass ihm die Sinne schwinden. Ein Lichtball trifft von hinten seine Augen. Gleichgewichtssinn und motorische Kontrolle fallen aus, er stürzt vom Pferd. Nach dem Erwachen kann er drei Tage nicht sehen. Er ist so erfüllt von der erlebten Einheit, dass er nichts mehr braucht. In der Obhut der christlichen Gemeinde setzt die kognitive Überformung ein. „Was ist diese Einheit? Ah! Die Christen, meine Feinde pflegen mich. Es ist die Einheit mit dem Feind – All is one! Christus ist mir erschienen!“ Saulus ist ein anderer, er ist Paulus geworden. Doch ach wie bald wird er in neue Boxen kriechen, die wiederum nur nach hinten raus Fenster haben!

Es stehen stets verschiedene Symbole und Konzepte zur Wahl. Saulus hätte auch denken können: „Ah, das war grossartig, dieses friedliche Einssein. Das kam wohl vom zu schnellen Reiten. Aber jetzt bin ich wieder bei Sinnen. Das passierte gewiss nur, weil ich zu wenig geschlafen hatte; oder zu viel getrunken und zu wenig gegessen.“

Unterschiedliche Deutungen machen unterschiedlich viel aus dem Erlebnis, und wenn es sich erneut einstellt, haben sie es längst überformt. Aber alle Symbole und Konzepte nehmen dem religiösen Erlebnis das Entscheidende weg: seine Transzendenz. Die Schriftreligionen sind alte, längst erkaltete Planeten, die um jene Sonnen des Erlebens kreisen, von denen sie einst weggeschleudert wurden.

Religion aber ist die Sonne: erleuchtend, wärmend oder versengend. Unter welchen Bedingungen tritt welche Wirkung ein? Davon handelt Religionswissenschaft.

((…))

CAS African Affairs: From rainmakers to handheld condensers

Center for African Studies, University of Basel
PD Dr. Jürg von Ins
Project paper
12.5.2014

“Schaffen wirst du aus dunklem Regen rechtzeitige Trocknis
den Menschen, schaffen wirst du aber auch aus sommerlicher Trocknis
baumernährende Güsse, die dem Himmel entströmen.”
Empedokles (495-435 v.C.), Peri Physeos, Fragment 111

Table of Contents
1. Preface: Concerning Methods
2. Introduction
3. What is the problem with water?
– On a global scale
– In Senegalese Sahel
– In Dakar
– In Toubab Dialao
4. What practicable solutions are at hand?
5. What others solutions are to be developed?
6. What political problems might occur?
7. Annex: Questionnaires
8. Sources

1. Preface: Concerning Methods

Water is a sparkling subject that attracts the interest of many different disciplines like for example hydrology, hydrogeology, medicine, engineering sciences and anthropology. Therefore the development of solutions to water-related problems often involve several methods at a time. The present study touches sociological questions of public distribution, hydrogeological questions concerning the groundwater table, economic aspects, religious symbolisms of water and the sea and last but not least engineering knowhow concerning condensation, purification and desalination of water. Such a courageous mix of methods is necessary to solve practical problems.
I focus on water for consummation (bottles, tub). As I am raising a project in the semi-rural area of Toubab Dialao I have indeed a practical problem with water: Often there is none.
I go from a research based on literature embedding the local problem in national and global contexts. I will complete this brief outline of the problem by a small-scale, low-budget field-research in Toubab Dialao (beginning March 2014).
I know from 30 years of experience that the problem with water in Senegal is distribution. Therefore I try to get a first overview of practicable, individual solutions. In a next step I will select some field experiments (beginning April 2014). Weiterlesen

Der Fussball und sein Publikum: Massensportanlässe zwischen Kampf und Versöhnung

Fragestellung
Derzeit bewähren sich öffentliche Fussball-Veranstaltungen vielerorts als Mittel zu Versöhnung und Konfliktlösung. Andernorts ist der Fussball-Match als Massenveranstaltung umgekehrt ein gefürchteter Herd von Krawallen. Zwischen diesen beiden Wirkungsdimensionen scheinbar gleichartiger Massensport-Veranstaltungen scheint keine dritte zu vermitteln. Unter welchen Bedingungen wirken sich solche Sportanlässe friedensstiftend aus, unter welchen führen sie zum Ausbruch von Gewalt?
(aus dem Einleitungskapitel)

Der gesamte Artikel als pdf:
Juerg von Ins_Der Fussball und sein Publikum

Jürg von Ins: Peer Gynt

Peer Gynt

Der Weg des blinden Schamanen

Ein dramatisches Gedicht

Peer Gynt ist ein geborener Schamane in ausgesprochen nicht-schamanischer Gesellschaft: ohne Meister und initiatische Anleitung, ohne gesellschaftliche Anerkennung und ohne je gefragt zu sein. Er lässt sich irre machen und verschwendet seine Kräfte an beliebige Unternehmungen. Dabei hat er zwar Erfolg, doch die Menschen verbünden sich gegen ihn, wo immer er auftritt – bis er schliesslich in der Begegnung mit Solveig selbst erst entdeckt, welche besonderen Aufgaben er zu erfüllen befähigt ist.

Das Drama spielt an verschiedenen Schauplätzen in Norwegen, Marokko, Ägypten und auf Rhodos. Rastlos kommt die Handlung voran. Schritt für Schritt wird Peers Initiation aus profanen Versatzstücken zusammengestoppelt.

Roman „Papa Tabu“

Jürg von Ins
Papa Tabu. Die Heilung eines Prügelknaben in Afrika

Roman
Broschur, 208 Seiten
Wolfbach Verlag 2011
ISBN 978-3-905910-20-9

Jürg von Ins, geboren 1953, studierte Ethnologie und Philosophie. Er ist Privatdozent an der Universität Bern und Lehrbeauftragter der Universität Zürich.  1979 bis 1998 leitete er Forschungsprojekte über Heilrituale in Ghana und Senegal. Seine Forschungsergebnisse publizierte er 2001 unter dem Titel ‚Der Rhythmus des Rituals’ im Reimer Verlag, Berlin. ‚Papa tabu’ nimmt den Inhalt dieser Studie in Romanform auf und macht ihn einem breiteren Publikum zugänglich. Der Autor bringt die fremde Welt afrikanischer Heiltraditionen ethnologisch kompetent und literarisch brillant zur Sprache. Vor allem aber lädt er den Leser ein, mit Felix de Anesta das Eigene im Fremden zu entdecken.
(aus dem Klapptext)

Weitere Informationen:
Jürg von Ins_Papa tabu_Vorschau