Grundeinkommen als Tabu

Eine ganze Seite widmet die NZZ vom 12. Mai der Initiative für ein bedingungsloses Grundeinkommen, obwohl es sich dabei, wie Autor Marcel Amrein wiederholt betont, um „offensichtlichen Unsinn“ handelt. Solch intensives Anrennen gegen etwas, das gar nicht in Betracht kommt, ist typisch für den Umgang des Menschen mit Tabus. „Vollpension im Hotel Helvetia“ ist kein Beitrag zur Diskussion, sondern ein beherztes Zeichen zu ihrer Verhinderung. Das Tabu besteht darin, den Sinn des Lebens in etwas anderem als Erwerbsarbeit und Konsum zu suchen. Das ist subversiv. Aber es trägt auch der Tatsache Rechnung, dass es für immer mehr Menschen keine Erwerbsarbeit mehr gibt. Die Uhren ticken schnell. Die Dinge liegen heute anders als im Zug schrittweiser Mechanisierung der industriellen Produktion. Die Illustration des Beitrags mit dem Fabrikbrand von Uster im Jahr 1832 treibt dessen Irrationalität auf die Spitze.

Denn vielleicht geht es heute tatsächlich darum, etwas Neues zu wagen. Die Erosion des Arbeitsmarktes ist nicht das einzige aktuelle Problem, das uns zwingt, ohne Erfahrungsbasis nach Lösungen zu suchen. Da stösst der Konservativismus an seine Grenzen.

 

 

Erschienen in: NZZ, 20. Mai 2016 S.9

Es passiert etwas Neues

Der Mensch wird zur Naturgewalt. Das war zuvor die Sphäre der Götter; der Götter der Fruchtbarkeit und des Wetters; der Götter der Schöpfung.

Meine Trinkgefässe sind Abbilder von Früchten; Denkmäler der Natur, wie sie diesen Sommer war:

 

 

Rettung oder Grenzschutz?

Zum Hintergrund der Programme ‚Mare Nostrum‘ und ‚Triton‘:
(aus: http://www.zeit.de/news/2015-04/23/eu-hintergrund-triton-mare-nostrum-und-poseidon-23120407)

Brüssel (dpa) – Auf dem Mittelmeer wurden in der Vergangenheit verschiedene Seemissionen eingerichtet – mit unterschiedlichen Aufträgen und Budgets:
MARE NOSTRUM: Als Reaktion auf die Flüchtlingstragödien im Mittelmeer rief Italiens Regierung 2013 das Seenotrettungsprogramm ‚Mare Nostrum‘ ins Leben. Es bewahrte nach Angaben aus Rom mehr als 100 000 Menschen vor dem Ertrinken. Boote sollten aufgespürt und in einen sicheren Hafen eskortiert werden. Italien liess sich die Mission monatlich rund 9 Millionen Euro kosten und drang angesichts steigender Flüchtlingszahlen darauf, dass die EU übernahm.
TRITON: Im November 2014 wurde ‚Mare Nostrum‘ von ‚Triton‘ abgelöst, das unter dem Dach der EU-Grenzschutzagentur Frontex angesiedelt ist. Die Schiffe sind nicht bis in libysche Gewässer unterwegs, sondern patrouillieren nur vor der Küste Italiens. Sie sollen Grenzen überwachen und gegen Schlepper vorgehen, aber nicht aktiv nach Flüchtlingen suchen. Das monatliche Budget beträgt 2,9 Millionen Euro – ein Drittel dessen, was Italien in ‚Mare Nostrum‘ investierte. [ … ] “

Das Budget wurde nicht nur aus Spargründen verknappt, sondern auch mit dem Hinweis darauf, dass das Rettungsangebot von ‚Mare Nostrum‘ die Flüchtlinge zur Überfahrt ermuntert habe. Diesen Pull-Effekt wollte man ausschalten. Das heisst:
Die Verschlechterung der Lage im zentralen Mittelmeer ist Programm.

Freddy Quinn: Wolken, Wind und Wogen
Songtext: http://muzikum.eu/de/123-4990-75791/freddy-quinn/wolken-wind-und-wogen-songtext.html
https://www.youtube.com/watch?v=Qg2lf77k1BA

Boatpeople 9

Wolken, Wind und Wogen.
Sind dem Seemann nah

Boatpeople 4
Wolken, Wind und Wogen.

Boatpeople 5

Wissen was geschah.

Boatpeople 6
Das Schiff ohne Namen,
fuhr Nachts noch hinaus.

Boatpeople 7

Das Schiff ist verschollen,
weit draußen im Meer.

Boatpeople 8

Das Schiff ohne Namen.
Es geistert umher.

Flüchtlinge vor Australien
Es schwebt wie ein Schatten,
weit draußen im Meer.

Boatpeople 3

Und die es gesehen zur Nacht vor Hawaii,
die zogen die Mützen und fuhr’n stumm vorbei.

Bildnachweise

Fatoumata Diawara: Clandestin
https://www.youtube.com/watch?v=piXLHdmAEMQ